„Helfen oder Nicht-Helfen“ Eine interdisziplinäre Debatte zum 10. BIOS-Opferschutztag
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Im Zentrum unserer Veranstaltung steht die Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen des Helfens, von Solidarität sowie der Verantwortung von Institutionen und Professionen im Umgang mit vulnerablen Gruppen: Die Rolle der Helfenden wird meist im Kontext systematischer, institutionalisierter und professioneller Hilfe verortet. Zu den Helfenden zählen in diesem Zusammenhang unter anderem Einsatzkräfte, Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Psychologinnen und Psychologen, Pflegekräfte, Beraterinnen und Berater, Coaches, Seelsorgende sowie spezifisch geschulte ehrenamtlich tätige Personen, die auch die Zielgruppe unserer Veranstaltung sind.
„Professionelle“ Hilfe setzt in der Regel nach einem identifizierten belastenden Ereignis an und zielt darauf ab, die Folgen des „Opferwerdens“ zu lindern und zu verhindern, dass das Opfersein zu einer identitätsprägenden Erfahrung wird.
Neben dieser systematischen und professionellen Hilfe existiert jedoch eine grundlegendere Form des Helfens. Sie ist unmittelbar, spontan und auf Rettung, Unterstützung und Schutz des Nächsten ausgerichtet. Dieses Helfen ist weder religiös noch gesellschaftlich normativ gebunden, sondern Ausdruck eines ursprünglichen – möglicherweise evolutionär begünstigten – menschlichen Verhaltensmusters. Es bildet die Grundlage dessen, was wir als Zivilcourage bezeichnen, und kann dazu beitragen, dass Menschen gar nicht erst zu Opfern werden. In vielen Fällen geht es dem professionellen Opferschutz voraus. Zugleich beruht auch professionelle Hilfe letztlich auf diesem grundlegenden menschlichen Impuls.
Die diesjährige Veranstaltung widmet sich diesen Zusammenhängen und fragt aus den Perspektiven von Neurowissenschaft, Psychotherapie, Politik, Soziologie und Ethik, unter welchen Bedingungen Menschen ihre Fähigkeit zu helfen immer wieder in konkretes Handeln umsetzen.
